Verlockung mit dem Locken

Verlockung mit dem Locken

window.dataLayer = window.dataLayer || []; function gtag(){dataLayer.push(arguments);} gtag(‚js‘, new Date()); gtag(‚config‘, ‚G-J6NR5Z84NF‘);

Die Verlockung mit dem Locken

Die Verlockung mit dem Locken ist häufiges Thema, wenn wir mit Hunden trainieren. Wichtig ist dabei zu wissen, was der Unterschied zwischen Locken und Belohnen ist. „Dein Hund erpresst dich ja!“ „Rex macht das ja nur, wenn ich ein Leckerchen in der Hand habe.“ Das sind Aussagen, die man häufiger von Hundehaltern zu hören bekommt. Und oft stimmt es auch – zumindest teilweise. Hat der Halter das Lockmittel nicht in der Hand, führt der Hund das gewünschte Signal nicht aus. 

Locken ist für den Hund ausgesprochen nett

Eins vorab: Ich habe überhaupt nichts dagegen einen Hund zu Beginn einer Übung zu locken – ganz im Gegenteil. Ich finde es sogar ausgesprochen nett. Richtig eingesetzt kann man dem Hund relativ frustfrei neues Verhalten beibringen, wenn man ein paar Regeln beachtet. Aber warum führt ein Hund dann das Signal nicht mehr aus, wenn z. B. das Leckerchen in der Hand fehlt? Das Ding ist, unsere Hunde sind Kontextlerner. Soll heißen, sie verknüpfen die gesamte Situation mit der Übung. So ist der Ort, unsere Position, benutzte Gegenstände, Geräusche und vieles mehr für den Hund Bestandteil der Übung. Das führt dazu, dass auch das Leckerchen in unserer Hand für sie zum Übungssetting dazugehören kann. Fehlt das, ist es für den Hund einfach nicht die gleiche Übung und er weiß nicht, was zu tun ist. Unsere Hunde erpressen uns also nicht. Wir haben ihnen nur beigebracht, dass z.B. die Übung Sitz nur dann die Übung Sitz ist, wenn wir ein Leckerchen in der Hand haben – denn so haben wir es etliche Male gemacht. Und im schlimmsten Fall holen wir schnell ein Leckerchen raus, wenn es denn nicht klappen will. So bestätigen wir die Annahme unseres Hundes.

Wir sollten das Leckerchen schnellstmöglich ausschleichen

Also was tun? Für unseren Hund ist eindeutig nicht nur unser Handzeichen und/oder Wort das auslösende Signal, sondern nur die Kombination mit dem Lockmittel. Wir sollten deswegen das Leckerchen oder den vorgehaltenen Ball schnellstmöglich ausschleichen. Damit meine ich nicht, dass der Hund für die ausgeführte Übung keine Belohnung erhält – natürlich soll er das. Aber wir sollten den Unterschied zwischen Belohnen und Locken kennen und der Hund lernen, dass sich Verhalten lohnt, unabhängig davon, ob eine mögliche Belohnung vor der Nase schwebt.

Beim Ausschleichen kommt es wie immer auf den Hund an. Leute, die mit Marker arbeiten, haben es hier etwas leichter, da der Hund es bereits kennt, dass nicht immer die Belohnung vor der Nase schweben muss und der Marker zuverlässig die Belohnung ankündigt. Ob mit oder ohne Marker – man kann beim Ausschleichen z.B. anfangs nur so tun, als ob man ein Leckerchen aus dem Beutel in die Hand nimmt. Führt der Hund das gewünschte Verhalten dann aus, kommt der Marker oder das verbale Lob und daraufhin wird die Belohnung aus dem Beutel geholt. 

Bei dem einen Hund kann man schon direkt ohne Lockmittel weitermachen, der andere Hund braucht einen sanfteren Übergang, um zu verstehen, dass das Leckerchen nicht mehr Bestandteil des Signals ist. Bei Letzterem kann man verschiedene Abstufungen wählen: So tun, als ob man nach einem Leckerchen greift, ist eine davon, die Hände können auch nur noch nach Leckerchen riechen. Der eine Hund braucht zwischendurch noch Durchgänge mit Lockmittel, damit die Motivation nicht flöten geht. Egal welchen Weg ihr wählt, bei der Übung sollten andere Dinge wie Körpersprache oder Handbewegungen gleich bleiben. Wir ändern immer nur ein Trainingskriterium. Das ist wichtig, denn so kommen wir mit unserem Hund schneller und besser zum Erfolg. Strukturiert euer Training und macht euch bewusst, was ihr konkret jetzt erreichen möchtet. Wenn ihr am Ausschleichen arbeitet, legt nicht gleichzeitig Wert auf eine verbesserte Schnelligkeit, sondern macht es dem Hund in anderen Trainingskriterien etwas leichter. Es ist ähnlich, wie bei uns. Legen wir den Fokus auf etwas Neues, sind wir wahrscheinlich anfangs etwas schlechter in den bereits geübten Kriterien. Das ist ganz normal, da wir unsere Konzentration auf etwas anderes fokussieren. Wenn das neue Kriterium sitzt, haben wir wieder Kapazitäten frei, alles flüssig zusammenzusetzen. Viele Wege führen nach Rom. Probiert aus, was am besten für euch funktioniert. Und vor allen Dingen: vergesst den Spaß nicht dabei!